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Rekurrente Hemmung
Dem erweitertem Schema wurden beispielhaft einige rückwärtshemmende Interneuronen hinzugefügt, auch Renshaw-Zellen genannt.
Die Renshaw-Zelle bewirkt eine Hemmung des α-Neurons. Die Hemmung hängt vor allem vom Signal des α-Neurons selbst ab. Dadurch entsteht eine Rückwärtshemmung, eine Dämpfung des Eingangssignals der Muskelfasern. Die Renshaw-Zelle dient dazu, eine überschießende Antwort auf einen Reiz zu verhindern und die Feuerfrequenz des α-Neurons zu stabilisieren.
Die Renshaw-Zelle erhält auch noch weitere Eingangssignale. An dieser Stelle sind also weitere hemmende Effekte möglich. Über diesen Weg könnten z. B. Informationen aus entzündeten Gelenken zu Veränderungen der Regulierung der Muskelspannung führen.
Ein Ausschalten der Renshaw Hemmung, z. B. durch eine Tetanus-Erkrankung (= Wundstarrkrampf) führt zu erhöhter motorischer Aktivitätsbereitschaft. Überschießende Reflexe, z. B. Kieferklemme (Trismus) oder eine Überstreckung des Rumpfes (Opisthotonus), können dann schon bei kleinen Reizen auftreten.
Die rekurrente Renshaw Hemmung ermöglicht eine feine Abstimmung der Muskelkontraktion und der Muskelsteifheit bei filigranen Arbeiten.
Merke: Interneurone agieren als Verrechnungsstelle für eingehende Reize und können sowohl α- als auch γ-Neuronen aktivieren bzw. hemmen.
Stelle dir ein Interneuron vor, dass mit einem α-Neuron verschaltet ist und viele Eingangssignale verarbeitet:
Eine verallgemeinerte Aussage wie "Eine höhere Frequenz am Eingang A führt immer zu einer niedrigeren Frequenz am Ausgang." ist dann mit Vorsicht zu genießen. Das Ausgangssignal hängt auch noch von den anderen Eingangssignalen ab. Je nachdem, wie diese in einer bestimmten Situation ausgeprägt sind, haben Änderungen des Eingangssingals A vielleicht überhaupt gar keinen Effekt. Durch kompliziertere Verschaltungen könnte es sogar sein, dass ein Eingangssignal einmal einen verstärkenden und ein andermal einen abschwächenden Effekt hat.
Merke: Die Erregung einzelner Sensoren führt nicht zu gesetzmäßigen, immer gleichen Reaktionen. Ein Ergebnis hängt meistens von mehreren Quellen ab und vermutlich auch noch vom zeitlichen Verlauf der Ereignisse (der geplanten Bewegungshandlung).
Je "höher" ein Lebewesen entwickelt ist, desto komplexer sind wohl die Verschaltungen. Das Reflexverhalten bei Tieren oder Säuglingen lässt sich daher nur begrenzt auf erwachsene Menschen übertragen.